Der frühere Bundesbankpräsident Professor Dr. Hans Tietmeyer sieht Hoffnungszeichen für Deutschland und lobt erste aus seiner Sicht richtige Ansätze der Bundesregierung für mehr Wachstum und Beschäftigung. Einige Reformen begännen zu wirken, sagte er in einem Online-Interview, das ab sofort auf seiner Website veröffentlicht ist. Tietmeyer machte deutlich, dass er den Eindruck habe, dass die deutsche Politik die Probleme erkannt habe und sich Ihnen zu stellen beginne. Allerdings mahnte der INSM-Kuratoriumsvorsitzende weitere Strukturreformen vor allem am Arbeitsmarkt und in der Sozial- sowie Finanzpolitik an, damit Deutschland nicht nur ein konjunkturelles Zwischenhoch, sondern einen nachhaltigen Aufschwung erleben kann. Wörtlich sagte der frühere Bundesbankpräsident: “Die Entwicklung geht sicher in die richtige Richtung. Zufrieden sein können wir aber natürlich erst dann, wenn wir ein nachhaltiges eigendynamisches Wachstum bekommen, weil nur das dafür sorgen kann, dass sich auch die Lage am Arbeitsmarkt nachhaltig bessert. Wir brauchen nicht nur für ein oder zwei Jahre, sondern über längere Zeit ein Wachstum, das deutlich über 2 Prozent liegen sollte.”
Die aktuell positive Entwicklung beim Wachstum sei nicht allein der Unterstützung durch eine boomende Weltkonjunktur zu verdanken, sondern auch das Ergebnis ”hausgemachter Impulse”.
Tietmeyer: “Die Entwicklung bei uns ist durch drei positive Faktoren beeinflusst worden. Erstens: die erfolgreiche Sanierung und Restrukturierung vieler Unternehmen in den letzten Jahren. Zweitens war die Lohnentwicklung in Deutschland in den letzten Jahren insgesamt erfreulicherweise zurückhaltend; das hat die internationale Wettbewerbssituation der deutschen Wirtschaft verbessert. Die Lohnzurückhaltung wird als eine Hauptursachen für den Aufschwung auch im aktuellen IfW-Gutachten ausdrücklich gewürdigt. Drittens wirken sich auch die bisherigen Reformen inzwischen positiv aus. Sie müssen aber noch weitergeführt werden. “
Auf die Frage, welche Reformen am stärksten im Sinne von mehr Wachstum und Beschäftigung gewirkt hätten, antwortete der frühere Bundesbankpräsident: “Wichtig waren und sind die Reformen der Alterssicherung – Stichwort Riester und Rente mit 67. Wichtig waren auch die unter der Überschrift Hartz eingeleiteten Reformen bei der Arbeitslosenversicherung und Arbeitslosenhilfe. Erste Anstrengungen erkenne ich auch beim längerfristigen Abbau von Subventionen. Insgesamt bleibt bei den Reformen aber noch vieles mehr zu tun.”
Interview-Druckfassung.