INSM-Studie zum Pflegefall Pflegeversicherung: Politik muss die Menschen heute über künftige Milliardendefizite informieren
In Berlin hat Professor Reinhold Schnabel, Universität Duisburg-Essen, heute eine im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) erstellte Studie zur Zukunft der Pflege in Deutschland vorgestellt. Die Ausgaben für die professionelle Pflege von Hochbetagten werden nach diesem Papier bis zum Jahr 2020 um rund 40 Prozent auf dann 37 Milliarden Euro wachsen. Bis 2030 sieht der Experte einen Anstieg auf 47 Milliarden Euro vorher, bis 2050 gar auf 72 Milliarden Euro. Grund ist neben dem starken Anstieg der Alten in der Gesellschaft auch die geringere Neigung, ältere Menschen innerhalb der Familie zu pflegen. “Vor diesem Hintergrund”, so der Professor, wachse die Pflegelücke, also die Differenz zwischen den notwendigen Ausgaben für die Pflege und den tatsächlichen Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung, stark an. Heute beträgt diese Lücke circa 8 Milliarden Euro, im Jahr 2030 werden die Ausgaben bei nahezu 48 Milliarden Euro liegen, von denen die gesetzliche Pflegeversicherung lediglich 32 Milliarden Euro übernehmen werde. Diese Pflegelücke müsse dann durch private Selbstbeteilung und die Kommunen geschlossen werden.
Max A. Höfer, Geschäftsführer der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), fordert die Politik zum Handeln und einer offeneren Kommunikation auf: „Private Haushalte müssen rechtzeitig wissen, was sie von der gesetzlichen Pflegeversicherung erwarten können, um im Alter abgesichert zu sein und ihr Vorsorgeverhalten rechtzeitig darauf einzurichten.“
Hier geht es zur Pressemitteilung.
Lesen Sie dazu auch eine aktuelle Meldung der Nachrichtenagentur ddp.
Bericht in FAZ-Net.
Am 7. August 2007 um 10:52 Uhr
[...] Der Artikel zitiert die jüngste INSM-Studie zur künftigen Entwicklung der Pflegeversicherung: Nach diesem Gutachten über „Die Situation der Pflege bis zum Jahr 2050“ für die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) wachse “die Zahl der Pflegebedürftigen von jetzt 2,1 Millionen bis 2020 um 50 Prozent auf 2,7 Millionen und bis 2050 gar auf 4,7 Millionen”. Die Heilbronner Stimme weiter: “Gründe für die schlechten Aussichten sind vielfältig. Vor allem ist die demografische Überalterung der Gesellschaft durch Kindermangel zu nennen. Das heißt: Es werden zu wenig mögliche pflegende Angehörige geboren. Hinzu kommt die Zunahme von Single-Haushalten. Die haben meist wenig mit Egoismus, sondern mehr mit beruflich erzwungener Mobilität zu tun. Wo Kinder und Eltern nicht am selben Ort wohnen, wird die private Pflege fast unmöglich. Ingesamt zeigt sich im Verlust auch, wie wertvoll Familien über Jahrzehnte für die Gesellschaft waren.” [...]