Zur INSM-Lecture in Berlin interviewt die Süddeutsche Zeitung Nobelpreisträger Phelps

In einem am Wochenende veröffentlichten Interview der Süddeutschen Zeitung hat sich Wirtschafts-Nobelpreisträger Professor Edmund Phelps unter anderem zu Fragen der Globalisierung geäußert. Phelps war nach Deutschland gekommen, um in Berlin als Hauptredner die VI-Ludwig-Erhard-Lecture der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) zu bestreiten.

 INSM-Kuratoriumsvorsitzender Hans Tietmeyer im Gespräch mit Edmund Phelps

Zur Frage der Süddeutschen Zeitung, ob Arbeitnehmer Gewinner oder Verlierer der Globalisierung seien, erklärte Phelps:  “Es gibt sicher Verlierer, weil der Druck auf die Löhne gestiegen ist oder die Fertigung ins Ausland verlegt wurde. Es gibt aber auch Gewinner, etwa die, deren Arbeitsplätze wieder sicher sind, weil ihr Unternehmen neue Märkte in den aufstrebenden Schwellenländern erschlossen hat.”

Niedriglöhne will Phelps durch staatliche Kombilöhne aufstocken lassen. Wörtlich erklärte er: “Am erfolgversprechendsten sind meines Erachtens Kombilöhne, bei denen der Staat das Gehalt eines Niedrigverdieners von vielleicht fünf Euro pro Stunde auf neun oder zehn Euro aufstockt. Das schafft zusätzliche  Arbeit und erhöht so irgendwann das generelle Lohnniveau, weil es für die Firmen schwerer wird, gute Leute zu finden.”

Erneut erteilte er Plänen, einen Mindestlohn in Deutschland zu etablieren, eine Absage. “Das wäre eindeutig ein Fehler. Für die Unternehmen stiegen die Kosten, es würde sich also nicht mehr lohnen, Geringqualifizierte einzustellen. Der Unterschied zwischen Kombi- und Mindestlöhnen ist: Kombilöhne schaffen Arbeitsplätze, Mindestlöhne vernichten sie.”

Zur Frage mach der Billiglohnkonkurrenz aus Fernost sagte er: “China beispielsweise wird in zehn oder fünfzehn Jahren kein Billiglohnland heutigen Musters mehr sein. Vielmehr werden die Löhne dort kräftig anziehen, was wiederum den Druck auf die Industrieländer mindern dürfte. Das Problem wird sich also mit wachsendem Wohlstand in den Schwellenländern von alleine lösen.”

Zur Frage, warum Europa nicht die hohen Wachstumsraten erreiche, die die Vereinigten Staaten in Boomphasen verzeichnen, erklärte der Nobelpreisträger: “Vielen Menschen in Europa fehlt der nötige Wettbewerbsgeist und der Wille zur Veränderung. Gegenwärtig wird die Situation allerdings auch durch eine Vielzahl von Unsicherheitsfaktoren belastet: die weitere Entwicklung in Iran etwa oder die Situation in Nahost.”

Hier finden Sie den Text der auf englisch gehaltenen Rede von Professor Edmund S. Phelps zur VI. Ludwig-Erhard-Lecture der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM).