Archiv der Kategorie 'INSM-Veranstaltungen'

Rekordschulden: INSM warnt vor neuen Steuergeschenken

Donnerstag, den 14. Mai 2009

schuldenaktion_insm.JPGBerlin, 14. Mai 2009 – Am Tag der Steuerschätzung hat die   Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) mit einer originellen Aktion vor dem Bundesfinanzministerium in Berlin auf die Rekordverschuldung aufmerksam gemacht. Pro Kopf sind es rund 23.000 Euro, wie der Freiburger Ökonom Bernd Raffelhüschen im Auftrag der INSM errechnet hat. Schuld daran sind die Mindereinnahmen des Bundes zusammen mit den beiden Konjunkturpaketen.

Deshalb warnte die INSM mit einer symbolischen Demonstration von der Schuldenlast gebeutelter “Deutscher Michel” vor dem Bundesfinanzministerium in Berlin vor weiteren Wahlgeschenken auf Kosten des Steuerzahlers. Vier “Michel” schulterten unterschiedlich große und schwere Geldsäcke:  Jeder Sack stand dabei für die Schuldenlast pro Kopf in einem Jahrzehnt bundesrepublikanischer Geschichte.  Die Aktion der INSM wurde von zahlreichen Medien begleitet und unter anderem in der “Tagesschau” gezeigt.

Laut Steuerschätzung müssen Bund, Länder und Gemeinden im laufenden Jahr mit Steuerausfällen von 45,0 Mrd EUR gegenüber der vorherigen Schätzung rechnen. Allein für den Bund werden die Mindereinnahmen 2009 demnach bei 21,5 Mrd EUR liegen. Bis einschließlich 2012 müssen Bund, Länder und Gemeinden mit Ausfällen von 316,3 Mrd EUR rechnen.

„Allein seit 1990 hat sich der öffentliche Schuldenstand nahezu verdreifacht. Deshalb sollten es sich die Parteien verkneifen, im beginnenden Bundestagswahlkampf Wahlkampfversprechen auf Pump zu machen“, sagt Max A. Höfer, Geschäftsführer der INSM.

Während die Schulden je Einwohner 1950 noch bei 188 Euro lagen und 1970 bei 1.053 Euro, stiegen sie 1990 bereits auf 8.448 Euro an. Bis 2010 wird die Pro-Kopf-Verschuldung ein Rekordhoch von 22.709 Euro erreichen. Für 2010 hat das Freiburger Forschungszentrum Generationenverträge von Professor Raffelhüschen die beiden Konjunkturpakete und die von den führenden Wirtschaftsforschungsinstituten geschätzten Steuermindereinnahmen des Bundes für 2009 einbezogen.

Lesen Sie hier den Bericht über die INSM-Aktion zur Steuerschätzung und sehen Sie das Video der Tagesschau

Europa in der Schuldenfalle: Waigel und Tietmeyer mahnen zu Konsolidierung und Ausgabendisziplin

Freitag, den 8. Mai 2009

insm_hauptstadtforum_waigel.jpgDer frühere Bundesfinanzminister Dr. Theo Waigel hat auf dem Hauptstadtforum der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) und der Berliner Morgenpost am Donnerstagabend zur Haushaltskonsolidierung gemahnt. Auch der ehemalige Präsident der Deutschen Bundesbank und Vorsitzende des Kuratoriums der INSM, Hans Tietmeyer, forderte Ausgabendisziplin. “Konjunkturpakete sind keine dauerhaften Geschenkpakete”, sagte Tietmeyer.

Bei dem Hauptstadtforum im Berliner Axel-Springer Haus diskutierte Waigel vor rund 200 Gästen mit dem früheren Bundeskanzler Österreichs, Wolfgang Schüssel, dem Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank Thilo Sarrazin und dem Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, Walther Otremba. Vorab sprach der ehemalige Präsident der Deutschen Bundesbank und Vorsitzende des Kuratoriums der INSM, Hans Tietmeyer zum Thema “Europa in der Schuldenfalle”.

Einig waren sich die hochrangigen Finanzpolitiker vor allem in ihrer Forderung einer sparsamen Haushaltspolitik nach der Krise. “Wir müssen schnellstmöglich wieder den Pfad der Konsolidierung einschlagen”, sagte Waigel. “Die Probleme kommen, wenn wir aus der Krise herausgehen. Dann kommt die Konsolidierung. Und dann muss die Politik den Mut haben, zu sagen, dass es keine Verteilungsspielräume gibt”, sagte Waigel.

Auch der ehemalige Präsident der Deutschen Bundesbank und Vorsitzende des Kuratoriums der INSM, Hans Tietmeyer, unterstrich die Notwendigkeit einer rechtzeitigen Rückkehr zur Ausgabendisziplin. “Konjunkturpakete sind keine dauerhaften Geschenkpakete, wie die Bürger schon bald merken werden. “Korrekturen und größere Anpassungen” seien unumgänglich, sagte Tietmeyer. Er kritiserte, dass die Begrenzung der Neuverschuldung “in Zeiten der Finanzkrise und des Wahlkampfes allzu schnell in den Hintergrund zu treten” scheine.

“Übermäßige Schulden, ob Staats- oder private Schulden, können zur großen Gefahr werden. Dies zeigt uns die Finanzkrise – hat sie doch ihren Ursprung in der exzessiven Verschuldung in den USA, in verzerrten Wechselkursen und in der gewaltigen Liquiditätsschaffung weltweit genommen”, analysierte der frühere Bundesbankchef die Finanzkrise. Die Krise könne überwunden werden – aber nicht im Alleingang: “Die Soziale Marktwirtschaft ist lernfähig, aber auch lernbedürftig. Wir haben bereits begonnen, die Folgen der Finanzkrise, die ja als exzessive Verschuldungskrise in den USA begonnen hat, auch bei uns aufzufangen. Aber wir müssen auch Lehren für die Zukunft ziehen – und zwar bei uns, in Europa und weltweit”, sagte Tietmeyer.

“Es war richtig, die Bankenliquidität herbeizuführen. Aber man muss es zurückfahren”, sagte auch der frühere Bundeskanzler Österreichs, Wolfgang Schüssel. “Niemand sollte unterschätzen, welche Wirkung eine exzessive Verschuldung hätte. Die Schuldenfalle wird entweder zu einer massiven Steuererhöhung führen, zu einer massiven Ausgabenkürzung oder zu einer massiven Inflation”, befürchtete er.

Waigel mahnte globalen Handlungsbedarf an: “Ohne eine abgestimmte Aktion kommen wir aus der Krise nicht heraus. Es geht nur mit einer abgestimmten Aktion der großen Währungsräume.” Zugleich lobte er den Euro – ohne die Gemeinschaftswährung hätte die Krise Europa und Deutschland noch schwerer getroffen. “Ein neues Währungssystem, in dem der Euro eine Rolle spielt und in dem auch andere Währungen eine Rolle spielen, und das nicht mehr nur vom Dollar abhängt, das werden wir mit Sicherheit bekommen und das wird auch eine Folge dieser Krise sein”, sagte Waigel.

Waigel stellte der Europäischen Zentralbank ein gutes Zeugnis aus, forderte aber zugleich eine Neuordnung der Bankenaufsicht: “Es kann nicht sein, dass es in Deutschland zwei Stellen für die Bankenaufsicht gibt, die Bundesbank und die Bafin. Das gehört zusammengeführt”, sagte Waigel.

Bildergalerie zum Hauptstadtforum mit Theo Waigel

Vom Wirtschaftswunder und der Sozialen Marktwirtschaft

Donnerstag, den 7. Mai 2009

seehofer_insm_herz.jpgBayerische Landesausstellung „Wiederaufbau und Wirtschaftwunder“ in Würzburg bis zum 4. Oktober – Wohlstandsbilanz Deutschland der INSM 

Viele empfinden die schnelle und erfolgreiche Wiederaufbauleistung nach dem zweiten Weltkrieg noch heute als Wunder. „Würzburg ist nicht mehr!“ – mit diesen Worten richtete sich 1945 Oberbürgermeister Pinkenburg erschüttert an seine Mitbürgerinnen und Mitbürger. Die meisten deutschen Großstädte lagen in Trümmern. Familien waren zerrissen, Hunderttausende hatten keine Wohnung, Millionen hungerten oder waren auf der Flucht. Nach der Katastrophe folgte ein rasanter Neustart. In nur wenigen Jahren wurden Städte, Häuser, Straßen und Firmen wieder aufgebaut. Mit der Einführung der Sozialen Marktwirtschaft 1948 kehrte der Wohlstand zurück. Dynamische Entwicklung in allen Lebensbereichen: Hausfrauen hatten elektrische Helfer wie die Waschmaschine zur Hand und brachten Exotisches wie den Hawaii-Toast auf den Tisch, während im Wohnzimmer der Fernseher lief und vor der Haustür das Auto parkte.Die bayerische Landesausstellung 2009 „Wiederaufbau und Wirtschaftwunder“ zeigt diese beeindruckende Entwicklung, erinnert aber auch an die Menschen auf der Schattenseite des Wirtschaftswunders. Im Stil der Zeit eingerichtete Wohnungen sowie Schlager und Filme lassen den Geist der Epoche wieder erstehen. So wird Geschichte zum Erlebnis – für Zeitgenossen, die in Erinnerungen schwelgen, und für Jüngere, die die faszinierende Zeit von Wiederaufbau und Wirtschaftswunder erleben möchten. Zur Eröffnung am 6. Mai 2009 sprach der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer: Die Tatkraft und der Mut der Menschen in diesen Jahren könne auch als Vorbild für die aktuelle Wirtschaftskrise dienen. Seehofer forderte zugleich, sich auf die Grundwerte der Sozialen Marktwirtschaft zu besinnen. Einige in der Bankenwelt hätten sich in der Vergangenheit nicht an deren Spielregeln gehalten. Denn zur Wertschöpfung müsse immer auch die Wertschätzung der Menschen gehören, so der Ministerpräsident.Einen Bogen vom Wirtschaftswunder zur heutigen Zeit spannt der Ausstellungsbeitrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. Gemeinsam mit dem Verband der Bayerischen Metall- und Elektroindustrie (VBM) präsentiert die INSM die Wohlstandsbilanz Deutschland: Seit nunmehr 60 Jahren sorge die Soziale Marktwirtschaft für Wachstum und Wohlstand. Heute gehöre Deutschland zu den reichsten Ländern der Welt, so das Motto. Auf einer Infowand und an drei Internet-Terminals können sich die Besucher über die Ausprägung der Wohlstandsentwicklung informieren: über Arbeit, Einkommen, Lebensqualität, Bildungschancen und soziale Gerechtigkeit.

Highlight der Ausstellungseröffnung waren die Lebkuchen-Herzen der INSM: Kein Gast der Landesausstellung wollte die Würzburger Residenz ohne das „Herz der Sozialen Marktwirtschaft“ verlassen. So auch Ministerpräsident Horst Seehofer, Staatsminister Wolfgang Heubisch, Ex-Postminister Wolfgang Bötsch, Landtagspräsidentin Barbara Stamm und der Würzburger Oberbürgermeister Georg Rosenthal.


Zur Bildergalerie der Landesausstellung auf der Website der Main Post

Video der Ausstellungseröffnung auf der Website von Radio Gong

Zur Wohlstandsbilanz Deutschland – ein Projekt der INSM

Zur Website der Bayerischen Landesausstellung

Van Suntum fordert marktwirtschaftliches Bad-Bank-Modell

Mittwoch, den 22. April 2009

ulrich_van_suntum.jpgDer münsteraner Ökonom Ulrich van Suntum hat am Dienstagabend in Berlin ein eigenständiges Modell zur Entlastung der Banken von toxischen Wertpapieren vorgestellt. Bei einer Diskussionsrunde der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) und des Humboldt-Forums Wirtschaft forderte van Suntum, die Bankenkrise nach den Regeln der sozialen Marktwirtschaft zu bewältigen, ohne dass die Steuerzahler den Schaden zu tragen hätten. Dazu soll der Staat die toxischen Papiere gegen unverzinsliche Staatsanleihen (Zero-Bonds) in gleicher Höhe tauschen und damit die Bankbilanzen entgiften.

Da Staatsanleihen sehr sicher sind und in den Bilanzen der Banken als Garantie wirken, wird das Misstrauen der Banken untereinander aufgelöst - drohende Abschreibungen auf versteckte Schrottpapiere gefährden dann nicht länger die Liquidität der Geldinstitute. Die vom Staat aufgekauften Papiere werden von einer zentralen Bad Bank verwaltet und nach der Stabilisierung der Märkte wieder zum Nominalwert der ausgegebenen Staatsanleihen verkauft – gegebenenfalls erst nach Jahrzehnten. Vor 200 Gästen diskutierten der Vorsitzende des Finanzmarktgremiums und Mitglied im Finanzausschuss des Deutschen Bundestages, Albert Rupprecht (CSU) und der Vizepräsident des Deutschen Bundestages und finanzpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion, Hermann Otto Solms die Bad-Bank-Pläne.

Solms sprach sich zwar für dezentrale Bad Banks aus, kritisierte aber den Vorschlag von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD), dem zufolge Banken und Steuerzahler sich die entstehenden Kosten bei Fälligkeit der toxischen Wertpapiere teilen müssten. ”Das sollten wir verhindern. Die Aktionäre der Banken müssen in Haftung bleiben – die Steuerzahler sollen so weit wie möglich herausgehalten werden”, sagte Solms.

Das Bad-Bank-Modell von Ulrich van Suntum

INSM-Kampagne “Soziale Marktwirtschaft macht’s besser” startet mit Anzeigenserie

Montag, den 6. April 2009

INSM-Kampagne Soziale Marktwirtschaft macht’s besser 

Die INSM-Kampagne “Soziale Marktwirtschaft macht’s besser” ist mit einer Anzeigenserie gestartet. Prominente und Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Kultur beschreiben aus ihrer persönlichen Perspektive, was die Soziale Marktwirtschaft bedeutet, warum sie besser ist und was sie besser macht.

Bisher wurden 16 Anzeigen in überregionalen Tageszeitungen geschaltet. Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft wird im Rahmen der Kampagne Veranstaltungen rund um das Thema “Soziale Marktwirtschaft macht’s besser” durchführen. Am 21. April wird Prof. Ulrich van Suntum im Rahmen eines Humboldt-Forums einen Ausweg aus der deutschen Bankenkrise nach den Regeln Ludwig Erhards vorstellen. Im Gespräch mit Prof. van Suntum sind der FDP Finanzexperte Otto Solms sowie der Vorsitzende des Finanzmarktgremiums, Albert Rupprecht (CSU).

Höhepunkt der Diskussionssreihe “Soziale Marktwirtschaft macht’s besser” ist die Veranstaltung “Verantwortung – made in Germany: die Soziale Marktwirtschaft”, u.a. mit Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel und dem Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor Frhr. zu Guttenberg.

Informationen zu den Veranstaltungen finden Sie hier.

Zitiert: Focus online über den INSM-Bildungsmonitor und die neue PISA-Studie

Mittwoch, den 19. November 2008

insm-tagebuch-focus-online.jpgDie Ergebnisse des Pisa-Ländervergleichs waren vorauszusehen. Schon im Sommer lieferte der „Bildungsmonitor“, der im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft jährlich die Bildungssysteme der Länder vergleicht, ähnliche Resultate – wenn auch unter einem etwas anderen Blickwinkel. Nach einem Vergleich von 102 Indikatoren wie Klassengröße, Studiendauer, Fremdsprachenunterricht, Sitzenbleiberquote und Höhe der öffentlichen Bildungsmittel stand fest: Mit 68,9 Punkten hat Sachsen das beste Bildungssystem aller Bundesländer, gefolgt von Baden-Württemberg (66,1 Punkte), Thüringen (65,1 Punkte) und Bayern (64,8 Punkte).

Mehr zu diesem Artikel.

Mehr über den Bildungsmonitor der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) finden Sie hier.

Kurz vor PISA: INSM fordert, dass sich Leistung auch für Lehrer lohnen muss!

Dienstag, den 11. November 2008

INSM-Geschäftsführer Max A. Höfer bei der Pressekonferenz zur Präsentation eines neuen Vergütungssystems für Lehrer in BerlinBernhard Bueb, früherer Leiter der Internatsschule Schloss Salem, fordert gemeinsam mit der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), dass Lehrer in Deutschland künftig nach Leistung bezahlt werden. Heute stellte Bueb gemeinsam mit INSM-Geschäftsführer Max A. Höfer in Berlin das Konzept für ein neuartiges leistungsorientiertes Vergütungssystem vor. Bildungsökonomen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) haben es kurz vor Eintreffen der neuen PISA-Ergebnisse für die INSM ausgearbeitet.

Das INSM-Konzept sieht 12 unterschiedliche Zulagen und Prämien vor, die Schulleitungen an besonders beanspruchte beziehungsweise überdurchschnittlich engagierte Pädagogen ausschütten können sollen. Prämien soll es für den Fall geben, dass Lehrer bestimmte Zielvereinbarungen mit ihren Schulleitern erfüllen. Zulagen soll erhalten, wer bereit ist, an Problemschulen oder in benachteiligten Regionen Unterricht zu geben. Auch Hauptschullehrer sollen ein Gehalts-Upgrade erfahren. Wer Fächer unterrichtet, die besonderen Korrekturbedarf fordern, zum Beispiel Sprachen, soll ebenfalls mehr Geld erhalten. Dies gilt auch für Lehrer, die besondere Verantwortung als Klassen- und Arbeitsgemeinschaftsleiter tragen oder gerade dabei sind, Klassen zu Abschlüssen zu führen.

Woher das Geld für die Neuerungen nehmen?
Dazu Bernard Bueb bei der INSM-Pressekonferenz: Rund ein Drittel aller 650 000 Lehrer in Deutschland würden im kommenden Jahrzehnt in Pension gingen. Jüngere geringer dotierte Kollegen rücken nach. Der Staat spart dadurch nach IW-Berechnungen rund 616 Millionen Euro, die in das neue Leistungsvergütungssystem investiert werden sollten. Aktuell sei jetzt der beste Zeitpunkt, ein “leistungsfeindliches Besoldungssystem ad acta zu legen“, meint Bueb und bekräftigte die INSM-Forderung, dass „engagierte Lehrer mehr haben sollten, als die anderen“.

Wenn zusätzlich die bislang im Öffentlichen Dienst übliche automatische Besoldungserhöhung mit steigendem Alter eingefroren würde, könnte man gar fast 3 Milliarden einsparen, die in Form von Prämien oder Zulagen für besondere Leistungen ausgeschüttet werden könnten.

Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), und mit ihr die beauftragten Wissenschaftler sind überzeugt, dass das frischen Wind in deutsche Schulen bringen würde. IW-Bildungsökonom Oliver Stettes hat ausgerechnet, dass „ein frisch eingestiegener Lehrer nach unserem Konzept sein Gehalt durch Zulagen und Prämien in wenigen Jahren um über 50 Prozent erhöhen kann.“ Und das wird auch zu besseren Leistungen bei den Schülern führen, denn, so Stettes, “ein motivierter Lehrer wird auch motivierte Schüler haben.“

Auch INSM-Geschäftsführer Höfer glaubt, dass ein leistungsorientiertes Vergütungssystem besseren Unterricht bringen wird: “Das zeigen Untersuchungen im Ausland und nicht zuletzt die PISA-Musterländer Holland und Finnland.“

Hier finden Sie die Pressemitteilung zur Studie der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) und auch die Studie des IW Köln.

Ludwig-Erhard-Lecture der INSM: Welt am Sonntag-Interview mit Anders Borg

Montag, den 27. Oktober 2008

Momentaufnahme aus dem Alltag eines Finanzminister – erschienen am vergangenen Wochenende in der Welt am Sonntag: Artikelzitat: „Am Montag in der Früh stellte Schwedens Finanzminister Anders Borg in Stockholm ein Rettungspaket seiner Regierung für den heimischen Bankensektor vor. Danach flog er nach Berlin. Erst hielt er einen Vortrag bei der Initiative Soziale Marktwirtschaft, dann fuhr er ins Bundeskanzleramt, um Angela Merkel zu treffen. Der Rat des 40-jährigen Pferdeschwanzträgers ist derzeit sehr gefragt.“

Die WamS befragte den Hauptredner bei der VII. Ludwig-Erhard-Lecture – natürlich – auch zur Bankenkrise.

Anders Borg zur Frage, wie weit der Staat Unterstützung für angeschlagene Banken an Bedingungen knüpfen darf:

„Er (der Staat) darf es den Banken nicht zu leicht machen, bei ihm um Hilfe anzufragen. Das sollte nur die letzte Rettung sein.“

Natürlich dürfe der Staat die Banken jetzt nicht allein lassen. „Aber es muss ganz klar sein, dass die Manager und Eigentümer die Konsequenzen ihrer Handlungen zu tragen haben. Sonst werden die Typen, die uns schon einmal solche Probleme bereitet haben, es wieder tun. Und die nächste Krise wird umso schlimmer.“

 

Borg kritisierte in dem Interview die USA. Dort seien „viele Fehler“ gemacht worden. „Der erste Fehler war, dass sie den privaten Sektor zunächst damit alleingelassen haben, mit dem Problem fertig zu werden. Die wenigen guten Banken waren dadurch gezwungen, schlechte Institute übernehmen. Dadurch haben sie die Glaubwürdigkeit des ganzen Bankensystems untergraben. Der zweite Fehler war, dass sie faule Kredite aufkaufen wollten. Der Staat hat hier mit seinen Mitteln gegenüber der Wirtschaft aber keine Chance, weil immer faule Kredite übrig bleiben werden.“

Mehr zur Ludwig-Erhard-Lecture der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) finden Sie im INSM-Tagebuch.

INSM-Workshop in Dresden: Was Bildungspraktiker von der Politik fordern

Donnerstag, den 23. Oktober 2008

INSM-Bildungspraxis-Gipfel: Der WorkshopIm Vorfeld des großen politischen Qualifizierungsgipfels von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Dresden wollte die die INSM (Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft) von repräsentativ ausgewählten Beteiligten im Schulbetrieb wissen: Was sind eigentlich Ihre Forderungen an die Politik? Und was muss sich an deutschen Schulen ändern, damit besserer Unterricht gelingt? An diesem “Praxis”-Gipfel nahmen 22 Experten teil. Die Spanne der Teilnehmer reichte von Vertretern der Wissenschaft über Repräsentanten von Lehrer-Berufsorganisationen, einer Gewerkschafterin bis zu Schülervertretern. Eine Liste aller Teilnehmer finden Sie in der INSM-Pressemitteilung zum Praxisgipfel.

Die Ergebnisse der teilweise kontroversen Debatte brachte Dr. Oliver Kannapin von der “Transformationsberatung GmbH” mit einem neuartigen elektronischen Abstimmungsverfahren auf den Punkt.

Mit großer Mehrheit wenden sich die Teilnehmer des INSM-Praxisgipfels mit folgenden Wünschen an die Politik: 

97 Prozent fordern, dass sogenannte Risikoschüler besser gefördert werden. Lehrer und Schulen müssten dazu mehr Anreize erhalten und auch durch Fachleute unterstützt werden.

94 Prozent wünschen sich eine lebensnahe Schule. Unterricht müsse die Persönlichkeiten der Schüler umfassend ausbilden und dürfe sich nicht allein auf die reine Wissensvermittlung beschränken. Hierzu werden auch wirtschaftliche, soziale und künstlerische Praktika gefordert. 

89 Prozent fordern, dass die Lehrerausbildung verbessert wird. Sie müsse sich stärker als bisher an den späteren Anforderungen im Beruf orientieren. Darüber hinaus sollten Lehrer auch verpflichtet werden, sich kontinuierlich fortzubilden.

89 Prozent plädieren auch dafür, dass Lehrer, Schüler, Eltern, Firmen und Behörden sich in ihren Regionen systematisch vernetzen, um für Entwicklungsprozesse von Kindern und Jugendlichen Verantwortung zu übernehmen. 

87 Prozent meinen, dass Lehrer im Sinne besserer Unterrichtsqualität in Teams arbeiten und innerhalb der Schule gecoacht werden müssen. 

87 Prozent wollen, dass die Sprachfähigkeit  der Schüler frühzeitig und kontinuierlich gefördert sowie mehrfach festgestellt wird;  zudem soll das Verständnis für unterschiedliche Kulturen gestärkt werden und kulturelle Vielfalt zum Schulalltag gehören. So soll eine bessere Integration an den Schulen möglich werden.

84 Prozent betonen, dass Schulen konsequent schülerorientiert arbeiten und Schülervertretungen als wichtiges Element dabei einbinden.

Alle Beschlüsse des INSM-Praxisgipfels zum Bildungsgipfel finden Sie auch in der INSM-Pressemitteilung.

Fazit des Workshops: Schule in Deutschland muss anders gelebt werden, damit am Ende bessere Bildung herauskommt. Das war Grundtenor einer Pressekonferenz, bei der die  Teilnehmer des INSM-Praxisgipfels die Ergebnisse ihres Workshops der Öffentlichkeit vorstellten. “Hervorragend” fand es Marianne Demmer, Vizechefin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), dass bei dieser Veranstaltung der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft “die Praxis in der Bildungspolitik zu Wort” kam. Um die sieben beschlossenen Forderungen Wirklichkeit werden zu lassen, brauche es “Geld, Zeit, qualifiziertes Personal und ein motivierendes Lernumfeld”, erklärte die Gewerkschafterin und fügte hinzu: “Die Praktiker erwarten vom Qualifizierungsgipfel eine klare Gesamtstrategie zur Umsetzung.”

Peter Daschner, Direktor des Landesinstituts für Lehrerbildung und Schulentwicklung in Hamburg, sah die aufgestellten Forderungen als “eine echte Selbstverpflichtung der Bildungspraktiker, die wir in unserem Alltag erfüllen wollen”. 

INSM-Geschäftsführer Max A. Höfer freute sich, “dass der Praxisgipfel viele unterschiedliche Positionen an einen Tisch gebracht hat.” Die sieben formulierten Dresdner Thesen zeigten, dass Bildungspraktiker sehr reformbereit sind. Höfer weiter: “Wir müssen Lehrer besser motivieren.”

Vor kurzem hatte eine Forsa-Umfrage der INSM (Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft) ergeben, dass sich 80 Prozent aller Lehrer in Deutschland eine leistungsgerechte Bezahlung wünschen. Die komplette INSM-Umfrage unter deutschen Pädagogen finden Sie hier.

INSM-Bildungspraxis-Gipfel: Kontroverse DiskussionenIn einer Pressemitteilung der Partei DIE LINKE kritisierte Parteivorstandsmitglied Rosemarie Hein, dass das Bildungssystem in Deutschland “in der Warteschleife” sei. Zitat: “Während die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten wie die Krämer um nicht vorhandenes Geld feilschten, haben Gewerkschaften und selbst die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft sehr viel konkretere und zielführendere Forderungen in den Raum gestellt.”

Mehr zum Thema Schulpolitik finden Sie auch in der INSM-Studie Politik-Check Schule.

Wachstum und Beschäftigung: Schwedens Finanzminister informiert bei INSM-Lecture über Erfolgsrezepte seines Landes

Mittwoch, den 15. Oktober 2008

schweden-insm.jpgAnders Borg, Schwedens Finanzminister, ist am Montag, 20.Oktober, ab 14 Uhr, Hauptredner bei der VII. Ludwig-Erhard-Lecture der INSM (Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft). Er spricht unter dem Titel “The Swedish Experience – Promoting Growth and Employment” über Reformen, die Schwedens mehr Beschäftigung und neues Wachstum gebracht haben. Borg war zuvor Chefökonom der ABN AMRO in Stockholm und Chefanalytiker bei Skandinaviska Enskilda Banken. Er kennt die Funktionsweise der Finanzmärkte von innen heraus. Er wird zudem berichten, wie Schweden Anfang der 90er Jahren seine Bankenkrise erfolgreich überwinden konnte. Die INSM-Ludwig-Erhard-Lecture findet statt in der Hauptstadtrepräsentanz der Deutschen Telekom AG, Französische Str. 33a-c, Berlin Mitte. Für den Zutritt ist die vorherige persönliche Anmeldung erforderlich. E-Mail unter anmeldung @ insm.de zu der Veranstaltung.

Mit diesem Faxformular können Sie sich ebenfalls zur INSM-Ludwig-Erhard-Lecture anmelden.

Mehr über frühere Ludwig-Erhard-Lectures der INSM (Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft).

Das schwedische Reformmodell hat die INSM (Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft) auch im Rahmen ihrer wissenschaftlichen Vergleichsstudie Vision D. eingehend analysieren lassen.  

INSM-Aktion mit Wolfgang Clement in Berlin: Noch mehr Bilder

Freitag, den 10. Oktober 2008

Bildergalerie und Video der INSM-Aktion mit Wolfgang ClementMaking of: Video der INSM-Aktion mit Wolfgang Clement (SPD). Bildergalerie der Plakataktion der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft mit dem früheren Bundeswirtschaftsminister.  Klicken Sie in das Bild und sehen Sie weitere Bilder und Video-Clips von der INSM-Aktion mit Wolfgang Clement.

INSM-Aktion zum Arbeitsmarkt nun auch als Video verfügbar

Mittwoch, den 8. Oktober 2008

Aktion der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft mit Wolfgang Clement als VideoWeil voraussichtlich Mitte Oktober die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland erstmals seit 1992 wieder unter drei Millionen sinken wird, fand am 6. Oktober in Berlin eine Großplakataktion der INSM (Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft) statt. Sie wurde präsentiert von Ex-Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD), dessen Agenda 2010 nach Auffassung von Experten zu einem wesentlichen Teil zu aktuellen Beschäftigungserfolgen beigetragen hat. Klicken Sie in das Bild und schauen Sie sich die Aktion in bewegten Bildern an.

Mehr über diesen Termin der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft erfahren Sie auch hier.

INSM-Podium in Berlin: Blum Contra, Grün “differenziert” pro Mindestlöhne

Montag, den 29. September 2008

 INSM-Streitgespräch: Blum, Weidenfeld, DückertUnter der Moderation von Impulse-Chefredakteurin Dr. Ursula Weidenfeld setzten sich am 29. September auf einem INSM-Podium in Berlin die Politikerin Thea Dückert und Professor Ulrich Blum, Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle, auseinander. Ökonom Blum warnte vor den Folgen einer Lohnuntergrenze von Staats Wegen. “Im Gegenteil ist ein Abwandern insbesondere des Niedrigpreissegments ins Ausland zu erwarten und somit der Verlust von Arbeitsplätzen.” Keineswegs würden sich Mindestlöhne durch steigenden Konsum im Inland selbst finanzieren, wandte sich Blum gegen entsprechende Argumente von Mindestlohnbefürwortern.

Die Grüne Thea Dückert forderte dagegen einen flexiblen gesetzlichen Mindestlohn. Ihr Argument; “Es ist nicht gerecht, wenn jemand voll arbeitet und dennoch Hartz IV beantragen muss.” Die Grünen-Politikerin gab aber zu bedenken, dass “ein einheitlicher Mindestlohn für alle” nicht die beste Lösung sein müsse. Sie empfahl die Einrichtung einer Mindestlohnkommission unter Einbeziehung der Sozialpartner und der Wissenschaft, die regional- und branchenspezifische  Empfehlungen erarbeitet.”

INSM-Geschäftsführer Max A. Höfer beim INSM-Podium: Mindeslöhne oder Mindesteinkommen Wissenschaftler Blum nahm das Podiumsgespräch der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft zum Anlass, wiederholt eindringlich vor Mindestlöhnen zu warnen: “Wer an Wohlstand für alle interessiert ist, soll die Hände von Mindestlöhnen lassen.”

Vermutlich Mitte Oktober wird der Bundestag über Mindestlöhne beraten.

Grundsätzliches zum Thema Mindestlohn finden Sie auf dem INSM-Portal www.einstieginarbeit.de.

INSM-Termin mit Wolfgang Clement – die Rede des früheren Bundeswirtschaftsministers

Donnerstag, den 25. September 2008

INSM-Tagebuch dokumentiert die Rede des früheren Bundeswirtschaftsministers Wolfgang Clement (SPD):

INSM-Termin in Berlin: Redner Wolfgang ClementWolfgang Clement:
Warnung vor dem Roll-Back – die Agenda 2010 darf nur ein Anfang gewesen sein

Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft am 24.09.08 in Berlin

(Es gilt das gesprochene Wort)  

Wir stehen heute in Deutschland – nach einem zeitlich nur kurzen Aufschwung – am Beginn eines Konjunkturabschwungs, von dem noch niemand genau weiß, wie tief er reichen wird. In dieser Lage spricht alles dafür, auf wirtschaftliches Wachstum zu setzen, also auf eine wettbewerbsfähige und wachstumsstarke Wirtschaft.

Sind wir dazu bereit und in der Lage?

Von kaum noch jemandem wird bezweifelt, erst recht nicht von unseren Nachbarn, deren wirtschaftliches Wohlergehen nicht unmaßgeblich von einer starken deutschen Wirtschaft abhängt, dass wir mit der Agenda 2010aufgeholt haben.

So sieht es ja offensichtlich auch die Bundeskanzlerin, die noch im Juli dieses Jahres sagte – ich zitiere –, dass „die von meinem Vorgänger Bundeskanzler Schröder begonnenen und von der Union – das wollen wir nicht vergessen – damals mitgetragenen Reformen . . . wesentlich zum jetzigen Aufschwung beigetragen (haben)”, weshalb die Bundesregierung diesen Weg fortsetzen werde.

Wie Recht die Bundeskanzlerin damit hatte, zeigt sich deutlichsten und konkretesten am Arbeitsmarkt, wo immer mehr Menschen den Einstieg in Arbeit schaffen. Nach 30 Jahren sinkt erstmals die Sockelarbeitslosigkeit – eine wirkliche Chance auch für die, die lange arbeitslos waren und endlich wieder einen Job finden wollen. In wenigen Wochen werden wir mit großer Wahrscheinlichkeit die Schwelle von drei Millionen Arbeitslosen unterschreiten.

Das sind Ergebnisse – das werden Sie verstehen – , über die ich mich ganz besonders freue und zu denen ich mir auch den Hinweis erlaube, dass sie all jene auf die kräftigst mögliche Weise widerlegen, die von einer durch die Agenda 2010 und namentlich durch die Arbeitsmarktreformen veranlassten wachsenden Armut in Deutschland daher reden.

Es ist bemerkenswert, zu welchen Verirrungen wir hier in Deutschland in der politischen Diskussion immer wieder fähig sind.

Es ist vermutlich auch diese schiefe Diskussionslage, die die große Koalition dazu gebracht hat,  

– zwar dem dringenden Konso1idierungsbedarf der öffentlichen Haushalte, wenn auch mit Hilfe einer kräftigen Steuererhöhung, Rechnung zu tragen,

– aber ansonsten reformpolitisch auf eigentlich sämtliche erreichbaren Bremsen zu treten.

Am deutlichsten wird das ironischerweise an Hand des Themas ,,Rente mit 67″. „Ironischerweise“ sage ich deshalb, weil dieses Projekt eigentlich das eindrücklichste Reformprojekt der großen Koalition war, und weil für uns Deutsche nichts so klar vor Augen sein müsste wie der demografische Wandel.

Wir zeichnen uns bekanntlich durch eine der niedrigsten Geburtenraten auf der Welt aus und erfreuen uns zugleich permanent steigender Lebenserwartung. Unter solchen Umständen annehmen zu wollen, wir könnten unsere Bildungs- und Sozialsysteme noch so weiter fahren wie unsere Vorfahren es taten, die Begründer (und Finanzierer) eben jener Systeme, ist geradezu abwegig.

Das hat die große Koalition aber leider nicht von etlichen, genau dem eigenen Reformprojekt widersprechenden Fehlleistungen abgehalten. Ich nenne hier  

– als allerersten und schwersten Sündenfall die Verlängerung der Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes I für ältere Arbeitslose, weil diese Regelung genau entgegen der Zielsetzung der ,,Rente  mit 67″ wirkt – sie fördert eine Vorruhestandsmentalität (und auch eine Vorruhestandspraxis), die wir uns jedenfalls auf Kosten der Allgemeinheit nicht mehr leisten können;

– ich nenne zudem die Einführung der abschlagsfreien Rente ab 65 Jahren nach 45 Versicherungsjahren, weil zu befürchten ist, dass sie als Einladung zu weiteren Versuchen verstanden wird, die Rentenreform zu durchlöchern,

– und ich verweise auf die Aussetzung des Riester-Faktors für zwei Jahre, um die Renten in diesem und im nächsten Jahr stärker als von Gesetzes wegen vorgesehen zu erhöhen; das erhöht unzweifelhaft die Gefahr weiterer Operationen dieser Art und fällt in alte, von den ,,Sopos” aller Schattierungen natürlich gewünschte wohlfahrtstaatliche Verhaltungsmuster zurück.

Die Milliarden, die allein die zuletzt genannte Nummer gekostet hat, haben den Rentnerinnen und Rentnern fast nichts Zusätzliches eingebracht. Sie wären stattdessen als Investitionen in die Zukunft unseres Landes, in Kinderkrippen und Kindergärten, in Schulen und Hochschulen, für ein lebenslanges Lernen goldrichtig gewesen. Denn das sind die Felder, auf denen wir in Deutschland, man muss es so sagen, wirklich notleidend sind.

Darum geht es mir hier und heute vor allem anderen: Man bewahre uns vor solcherart Rückfallen in alte Denkmuster, die – statt die Wachstumskräfte zu stärken – den konjunkturellen Abschwung noch befördern werden – wie all jene Maßnahmen namentlich in der Gesundheitsreform und der Pflegereform, die heute auch noch zur Sprache kommen werden und die zu einer Erhöhung statt zu einer Absenkung der Sozialabgaben führen.

Was wir gerade jetzt in einer Zeit, in der die Weltwirtschaft von einer seit der Depression des 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts nicht mehr erlebten Unsicherheit geschüttelt wird, benötigen, das sind ermutigende Signale an die deutsche Wirtschaft, an unsere Unternehmen, an Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

Jene Fehlentscheidungen und die – noch – nicht korrigierten Entwürfe etwa zur Reform der Erbschaftssteuer oder auch zum Vergaberecht sind in diesem Sinne gewiss alles andere als ermutigend.

Und die politische Begleitmusik aller möglichen parlamentarisch-politischen Herkünfte, die Rufe nach weiteren steuerlichen Belastungen – für Spitzensteuerzahler, die übrigens in Deutschland, um in diese Rolle zu gelangen, weniger verdienen müssen als ihre Artgenossen in den allermeisten vergleichbaren Volkswirtschaften, oder wahlweise für Reiche, für Vermögende, für dieses und jenes – oder nach weiteren Agenda-Korrekturen, etwa zur erneuten Regulierung der Zeitarbeit, sind heute mehr denn je fehl am Platze.

Wer es noch nicht begriffen hat, dem sei es deshalb ins Stammbuch geschrieben: In einer konjunkturellen Abfahrt wie jetzt werden zwei Handlungsweisen zu schweren Sündenfallen:

– Das sind zum einen alle Versuche, den Konsolidierungskurs mit ein paar als Konjunkturprogrammen ausgegebenen Steuersubventionen dieser oder jener Art in Frage zu stellen,

und

– das sind zum anderen all jene Unterfangen, die geeignet sind, die Verunsicherung im Lande wie in der Wirtschaft noch zu verstärken oder die durch erneute Regulierungen die mit der Agenda eröffneten Handlungsspielräume von Unternehmen wieder einzuengen trachten.

Und ein Weiteres: Zu den schweren Sündenfallen der großen Koalition zähle ich inzwischen auch die Föderalismusreform. Es waren vor allem Bildungspolitiker hier in Berlin, die anlässlich der ersten Reformstufe darauf hingewiesen haben, dass eine Blanko-Vollkompetenz der Länder für die gesamte Bildungspolitik allenfalls nach vorherigen ordnungs- und finanzpolitischen Klärungen vertretbar sei. Nichts dergleichen ist geschehen.

Nun stehen wir vor der Situation, dass auf dem für die Zukunft unseres Landes wichtigsten Feld, das dringend der Erneuerung harrt, allein die Länder zuständig sind, die aber teils nicht hinreichend handlungsfähig sind, weil sie nicht über die dazu notwendigen Finanzmittel verfügen (zumeist auch nicht in der Lage oder willens scheinen, entsprechende Vorkehrungen in ihren Haushalten zu treffen) und weil zudem nichts geschehen ist, was aus der Kultusministerkonferenz ein für die ganze Republik handlungsfähiges Institut machen würde.

Die Konsequenz ist geradezu bizarr: Entgegen der vor wenigen Monaten ins Grundgesetz aufgenommenen Vollkompetenz der Länder ist die Bundesregierung nun dabei, auf allen möglichen verwegenen Umgehungen – zuletzt über die Kassen der Bundesagentur für Arbeit (welch ein abenteuerliches Unterfangen!) – Finanzmittel in unsere notleidenden Schulen zu transferieren. (Übersetzt auf eine Unternehmensführung würde eine solche, die gesetzlichen Regeln umgehende Vorgehensweise – jedenfalls nach den aktuellen Maßstäben unserer Strafverfolgungsbehörden – nahe an den Untreuetatbestand heranreichen!) Und die Kanzlerin tingelt durchs Land, vielleicht auf der Suche nach der abhanden gekommenen Kompetenz?

Im Ernst: Sollte es wider alles Erwarten nicht doch noch zu einer Föderalismusrefom II kommen, die diesen Namen verdient – und das ist nur der Fall, wenn sie neben einer ohnehin dringend notwendigen Schuldenbremse für Bund und Länder auch eine Reform der Finanzverfassung beinhaltet – dann wird dieses ursprünglich große Reformvorhaben, die Mutter aller institutionellen Reformen”, ebenfalls zu den gescheiterten dieser großen Koalition gehören!

In diesen Tagen der weltweiten Bankenkrise und der darob notwendigen staatlichen und obrigkeitlichen Eingriffe sehen nicht wenige, die das schon immer wollten, die Zeit für den Ruf nach „mehr Staat”, einem ,,starken Staat” – oder wie auch immer die Schlagworte heißen mögen – gekommen.

In Wahrheit geht es aber – abseits dessen, dass es Aufgabe des Staates ist, Gefahren vom Gemeinwesen abzuwenden, und das geschieht derzeit am nachdrücklichsten in den USA – darum, dass die nationale, die europäische und die internationale Politik sich auf Regeln und Rahmenbedingungen einschließlich einer global wirksamen Aufsicht und Kontrolle für die nationalen, kontinentalen und globalen Finanzmärkte verständigen muss, die künftig Exzesse der Art unterbinden helfen, wie sie jetzt zum allgemeinen Desaster geführt haben.

Die Finanzmärkte brauchen ganz offensichtlich und äußerst dringend einen neuen Handlungsrahmen, allgemein verbindliche Standards und eine dementsprechende, global wirksame Kontrolle.

So ist es auch mit der Erneuerungspolitik unseres Landes. In Zeiten eines global sich immer weiter verschärfenden Wettbewerbs und eines demografischen Wandels, der in seinen Wirkungen für unser Land offensichtlich immer noch sträflich unterschätzt wird, brauchen wir eine Runderneuerung unseres Landes und keine Kappung, sondern eine Fortsetzung der Reformpolitik, für die die Agenda 2010 nur ein Anfang war.

Wir müssen weiter umsteuern und

– erstens, soweit und so schnell es irgend geht, unsere gesellschaftliche Aufmerksamkeit wie unsere finanziellen Möglichkeiten auf Bildung, Qualifizierung und lebenslanges Lernen, auf Wissenschaft und Forschung hin ausrichten – wir werden sonst im weltweiten Wettbewerb um die besten Köpfe das Nachsehen haben,

– wir müssen zweitens eine 1ntegrationspolitik entwickeln, die vorbeugend und begleitend agiert statt immer nur wie ein nachsorgender Reparaturbetrieb, der stets zu teuer ist und nie hinreichend erfolgreich sein kann – wir werden sonst der sozialen und gesellschaftlichen Spreizung unseres Landes nicht Herr werden können,

– wir brauchen drittens eine Zuwanderungspolitik, die unser Land nicht länger auch gegen qualifizierte Zuwanderer abschließt, sondern die es öffnet, etwa mit einem Punktesystem für Zuwanderer, wie es in Kanada gilt – weil wir sonst die innovative Kompetenz, die wir immer noch haben, nicht im global zureichenden Maßstab weiter entwickeln können.

– Und wir müssen in Deutschland vor allem wieder schneller werden: Wir brauchen raschere Entscheidungen, das heißt: weniger Bürokratie, kürzere Genehmigungsverfahren, insgesamt nicht mehr, sondern weniger Gesetze, Verordnungen und sonstige Regulierungen. Die Länder sind auf diesem Feld besonders angesprochen: Wenn es nur gelänge, die meisten der Sonderbehörden, die über die Jahrzehnte allüberall in unseren Ländern eingerichtet worden sind, wieder zurück zu bauen und die klassischen “Bündelungsbehörden” wieder zur Geltung kommen zu lassen, könnten Milliarden an Steuergeldern eingespart werden.

INSM-Termin: Wolfgang Clement im Gespräch mit Kartellamtspräsident HeitzerUnd wenn dann noch die von der Bundesregierung eingesetzte Kommission zum Bürokratieabbau, die Ludewig-Kommission, deren Materialsammlung inzwischen hinreichend sein müsste, einen ersten wirklichen Schlag zur Reduzierung der Milliarden schweren Bürokosten tun würde, dann wäre viel gewonnen. Und ein besseres Programm zur Stärkung der Konjunktur in einer Zeit des Abschwungs wäre kaum – kostenfrei – zu haben!

INSM-Termin mit Ex-Wirtschaftsminister: Wolfgang Clement mahnt Koalition, auf Agenda 2010-Kurs zu bleiben

Mittwoch, den 24. September 2008

INSM-Termin mit Wolfgang Clement: “Nicht in alte Denkmuster zurückfallen!”

“Sozial ist, was Beschäftigung schafft”: Bereits 2003 hatte Wolfgang Clement beim Berliner Kongress der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) dafür geworben, alles zu unternehmen, damit in Deutschland neue Jobchancen möglich werden. Im Rahmen der von ihm vorangetriebenen Agenda 2010 ist dies Wirklichkeit geworden, Experten rechnen damit, dass die Arbeitslosenzahl in nicht allzulanger Zeit unter drei Millionen fallen könnte.Fünf Jahre später – auf einer heute in Berlin stattgefundenen INSM-Veranstaltung - warb der frühere Bundeswirtschaftsminister dafür, die Reformpolitik der Agenda 2010 konsequent fortzusetzen. Die Politik dürfe nicht “in alte Denkmuster zurückfallen”. Clement sieht sich durch die aktuelle Entwicklung am Arbeitsmarkt in seinem Kurs bestätigt: ”Deutschland hat mit der Agenda 2010 unzweifelhaft aufgeholt: Immer mehr Menschen schaffen den Einstieg in Arbeit.” Nach 30 Jahren sinke erstmals die Sockelarbeitslosigkeit. Dies sieht der SPD-Politiker als “eine wirkliche Chance auch für die, die lange arbeitslos waren und endlich wieder einen Job finden wollen”.

Der INSM-Termin stand unter dem Titel “Ordnungspolitische Sündenfälle der Großen Koalition”. Politische Beobachter fürchten, dass erfolgreiche Reformen der Vergangenheit wieder zurückgenommen werden. Auch Clement warnte die Große Koalition in seiner Rede davor, “in alte Denkmuster” zurückzufallen. Der Bundesarbeitsminister a. D. machte deutlich: “Sicherheit im Konjunkturabschwung und in der Globalisierung erreichen wir nur durch eine wettbewerbsfähige und wachstumsstarke Wirtschaft. Deshalb müssen wir erheblich mehr Geld in Bildung und Innovation stecken und die Bürokratie kräftig zurückfahren. Unser Land braucht eine Rundumerneuerung und keine Kappung, sondern eine Fortsetzung der Reformpolitik, für die die Agenda 2010 nur ein Anfang war”.

Florian Gerster, Wolfgang Clement und Johann EekhoffEin Beispiel für den Turn-around sind die jüngsten Rentenbeschlüsse der Regierung Merkel. Hierzu nahm INSM-Botschafter Professor Bernd Raffelhüschen Stellung. ”Die Rücknahme der modifizierten Bruttolohnanpassung belastet nicht nur zukünftige Generationen, sondern ist ein eklatanter Verstoß gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz”, sagte der Freiburger Demografieexperte. Während Arbeitnehmer lediglich 0,5 Prozent mehr Einkommen hätten, wachse gleichzeitig die Rente um 1,1 Prozent”.

INSM-Botschafter Professor Johann Eekhoff, früherer Staatsekretär im Bundeswirtschaftsministerium und Direktor des Instituts für Wirtschaftspolitik an der Universität Köln, betrachtet den Gesundheitsfonds als weiteren “ordnungspolitischen Sündenfall” der Großen Koalition. Zitat: “”Der Gesundheitsfonds löst kein einziges INSM-Geschäftsführer Dieter Rath begrüßte die zahlreichen ZuhörerKernproblem der Gesetzlichen Krankenversicherung!” Der Fonds schaffe weniger statt mehr Wettbewerb, sei weniger effizient und führe nicht zu Kostensenkungen.

Bundeskartellamts-Präsident Dr. Bernhard Heitzer schließlich befasste sich mit dem Thema Mindestlohn. Er präsentierte sich als Kritiker der Aufnahme der Briefdienstleister-Branche in das Entsendegesetz. Damit habe sich die Post als Monopolist lediglich Konkurrenz vom Leibe halten wollen.

Mehr Informationen zur INSM-Veranstaltung mit Wolfgang Clement und anderen finden Sie in der Pressemitteilung der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft.