Profs & Co. müssen sich warm anziehen. Denn gebührenzahlende Studenten wollen künftig deutlich höhere Ansprüche an ihre Hochschulen stellen. Das ist eins der zentralen Ergebnisse einer repräsentativen TNS-Emnid-Umfrage, die die die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft heute in Berlin zum Start des Studi-Portals www.unicheck.de vorstellte. Die große Mehrheit aller Studenten will mehr Infos und Mitsprache darüber, wie Hochschulen ihre Studienbeiträge für ein besseres Lehrangebot einsetzen.
“Als Gebührenzahler haben Studenten ein Mitspracherecht, wie Ihr Geld für eine bessere Ausbildung eingesetzt wird,” sagte INSM-Geschäftsführer Max A. Höfer auf einer Pressekonferenz, an der sich auch der Kölner Sozialforscher Professor Jürgen Friedrichs, Wolfgang Starke von der Verbraucherzentrale NRW und Jennifer Litters vom Campus-Magazin UNICUM beteiligten (Foto). Verbraucherzentrale, UNICUM und Financial Times Deutschland haben als Kooperationspartner der INSM für das Studi-Portal Unicheck mitgewirkt. Verbraucherschützer Wolfgang Starke: “An den Studiengebühren in den meisten Bundesländern lässt sich nicht mehr rütteln. Jetzt heißt es, den Studierenden den Weg zur Lehre finanziell zu ebnen. Uns geht es dabei um den Service für Studierende als Verbraucher. Denn das sind sie ab sofort in doppelter Hinsicht:
Einerseits zahlen sie Geld und können dafür eine adäquate Gegenleistung fordern. Zum anderen werden Themen wie Kreditfinanzierung wichtiger. Auf Unicheck stellen wir unser Know-how zur Verfügung.”
Das von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) ins Leben gerufene Unicheck-Portal soll, wie bereits in der Ankündigung vom 5. April beschrieben, für Transparenz sorgen, wie die Hochschulen mit den Beiträgen ihrer zahlenden Kunden wirtschaften. Eine aus Studenten zusammengesetzte Redaktion betreut das Portal redaktionell und prüft mit Hilfe von Kommilitonen an diversen Hochschulen, ob die versprochenen Verbesserungen auch tatsächlich eintreten.
Immerhin zwei Drittel aller befragten Studenten sind nach dieser TNS-Emnid-Befragung für die INSM überzeugt, dass Studiengebühren prinzipiell für Verbesserungen des Lehrbetriebes sorgen können, obwohl Studienbeiträge weiterhin unpopulär sind (nur 33 Prozent dafür). Die Wunschliste der Studis ist laut TNS-Emnid-Umfrage für die INSM lang. Ganz oben stehen mehr übungsangebote, mehr Lehrveranstaltungen und generell ein besserer Unterricht. Unicheck überprüft systematisch die Gebührenverwendung. Das Portal www.unicheck.de gibt den Studenten, die als Zahler zu Bildungskunden werden, die Möglichkeit eines öffentlichen Feedbacks, wie ihrer Meinung nach mit ihrem Geld umgegangen wird. über Fragebögen können die Studierenden das Service- und Studienangebot bewerten. Aus dem diesem gesammelten Einzelfeedbacks erstellt Unicheck ein Hochschulranking. Wer schneidet bei der Ausbildungsqualität besser und wer schlechter ab? Wo haben Maßnahmen gegriffen und wo nicht? Für die 25 größten Universitäten liegen diese Berichte bereits vor.
Max A. Höfer: “Unicheck schafft die nötige Transparenz, wie die Hochschulen mit den Studienbeiträgen ihrer zahlenden Bildungskunden umgehen.” Die Notwendigkeit hier mehr Öffentlichkeit zu schaffen, unterstrich auch Jennifer Litters von UNICUM: “Einige Hochschulen sollen beim Investieren der Studiengebühren sehr kreativ sein. Da ist von gestopften Haushaltslöchern und glänzenden Imagebroschüren die Rede”, sagte Sie beim Pressetermin in Berlin und setzte hinzu: “Unicheck” ist unter anderem dafür da, solche Fehlgriffe öffentlich zu machen. Aber selbstverständlich sollen auch die guten Beispiele ein Forum finden.” Unicheck bietet zudem die jeweiligen Verwendungspläne für Studiengebühren an jeder Hochschule. Interaktiv kann hier jeder Student per Mausklick Einblick bekommen und Leistungen anderer Hochschulen vergleichen. Das Portal will zudem erfassen, wo Studenten den größten Verbesserungsbedarf an ihrer Hochschule sehen.
Zahlreiche Nachrichtenagenuren und Medien griffen das Thema auf. Unter anderem Associated Press, FTD, Kölnische Rundschau.
Unter der Schlagzeile “Sag mir, wo die Gebühren sind” schrieb zum Beispiel die FTD: “Fortan können Studierende Gebührenverschwendung öffentlich anprangern. In dem Onlineportal www.unicheck.de steht ein Fragebogen, in dem sie Auskunft geben können, wie ihre Hochschule die Gebührengelder einsetzt, wie Hörsäle ausgestattet sind und wie sie über die Verwendung des Geldes informiert werden. Daraus entsteht dann ein Gebührenvergleich der Hochschulen. “Der eine oder andere Rektor wird sich selbstverständlich darüber beschweren, wer lässt sich schon gerne in die Karten sehen”, sagt Jürgen Friedrichs, Sozialforscher an der Uni Köln, “aber Vergleiche regen ja dazu an, es besser machen zu wollen.”
Zum Pressetermin gab es Studentenfutter von UNICUM.
Dass das Thema nicht allen schmeckte, zeigt unser P. S.:
spiegel-online hatte in einer brutalstmöglichen Recherche 14 Stunden vor unserer Unicheck-Start-Pressekonferenz “aufgedeckt”, dass die INSM das Portal unicheck betreibt, was nicht nur auf diesem Portal schon länger angekündigt, sondern schon 14 Tage vorher ganz offen in UNICUM zu lesen war - dem größten Campusmagazin mit 579.000 Lesern, nur von der Hochschulredaktion von spiegel-online ist offenbar keiner dabei.
P.P.S. Dazu hier ein Kommentar.
Unicheck-Meldung auf dem NRW-Landesregierungsportal.
Mehr über Bildung hier. Alles über Unicheck auf dieser Site.