Rückkehr zur Rente mit 65 kostet 90 Milliarden
Montag, den 20. September 2010Berlin – Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen vom Forschungszentrum Generationenverträge in Freiburg hat für die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) die Konsequenzen einer Wiederabsenkung des Renteneintrittsalters auf 65 Jahre berechnet.
Die Alternativen zu einer Anhebung des gesetzlichen Renteneintrittsalters sind begrenzt, nämlich Leistungskürzungen, Beitragserhöhungen oder noch mehr staatliche Zuschüsse. Laut Berechnung von Prof. Raffelhüschen müsste der Staat bis 2050 weitere 90 Milliarden Euro aus Steuermitteln in die Rentenkasse einbringen, wenn die Rente mit 67 zurückgedreht wird. Die anderen Möglichkeiten: Die durchschnittliche monatliche Rente sinkt bis zum Jahr 2050 um sieben Prozent, oder der Beitragssatz zur Rente steigt bis 2050 um einen Prozentpunkt, anstatt ab 2030 um einen Prozentpunkt zu sinken.
Weil die Gesetzliche Rentenversicherung umlagefinanziert ist, führen ein Anstieg der Lebenserwartung sowie die seit Jahrzehnten niedrige Geburtenrate bereits heute, vor allem aber in den kommenden Jahrzehnten, zu erheblichen Finanzierungslücken. Während ein 65-Jähriger im Jahr 1960 noch eine Lebenserwartung von 12,2 Jahren hatte, beträgt diese heute bereits 17,4 Jahre. Und bis zum Jahr 2060 wird die Lebenserwartung laut Forschungszentrum Generationenverträge um weitere drei Jahre steigen. Diese Entwicklung stellt eine stetige implizite Rentensteigerung dar, die immer schwerer zu finanzieren sein wird.
INSM Geschäftsführer Hubertus Pellengahr: „Zurück zur Rente mit 65 würde bedeuten, dass wir einmal mehr die finanziellen Probleme von heute auf die nächsten Generationen abwälzen – was hochgradig unsozial wäre. “


Am 1. Juli fand die kräftigste Rentenerhöhung seit mehr als einem Jahrzehnt statt. Arbeitsminister Olaf Scholz verspricht sogar eine gesetzliche Garantie, dass die Renten niemals sinken können – selbst dann nicht, wenn die Löhne rückläufig sein sollten. Mit dieser erweiterten Schutzklausel greift die Politik nicht zum ersten Mal in die Formel zur Rentenanpassung ein.
Der Deutsche